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Hütte des Obersäss auf der Alp MoraHütte des Obersäss auf der Alp Mora

Kühe in VadresKühe in Vadres

Von vier zu einer Kuhalp

Von vier zu einer Kuhalp

Die Trinser Alpen in den letzten 50 Jahren

Remo Casty, Trin (Übersetzung Christian Erni)

In diesem Artikel möchte ich einen kurzen Überblick der Trinser Alpen geben, nachdem Hans Erni die Entwicklung der Alpen bis ca. 1950 beschrieben hat.

 

Die Alpen zwischen 1945 und 1953, Hütten und Käsekeller

Bis im Jahre 1953 besass Trin vier Kuhalpen, namentlich die Alp Mora, Lavadignas, Surcruns und Raschaglius. Jeder dieser Alpen wurde mit ca. 45 bis 50 Kühen, 36 bis 40 Rindern und 35 bis 40 Kälbern bestossen. Als Mesenalp - ca. 125 Stück – diente der CuIm da Sterls. Die Schafe – zur damaligen Zeit ein Herde von ca. 700 Stück – wurden auf der äusseren Alp Mora geladen; sie weideten auch auf der Plauncadira mit den Palas Cavagl und dem Tschep Sut während ca. drei Wochen.

Für die vier Kuhalpen besass Trin gesamthaft 12 Hütten, wo gekäst wurde und vier Käsekeller. Zudem gab es in Bargis einen Heustadel mit einem kleinen Stall und mit Schlafzimmern (auf Stroh). Die Alp Culm da Sterls hatte 3 Hütten für die Mesenhirten. Auch für die Schafhirten hatte es eine Hütte auf der äusseren Alp Mora und auf der Plauncadira. Total gab es also 21 Gebäude, was einen grossen Aufwand an Unterhalt bedeutete.

 

Die Hütten verschieben und Holz rüsten

Eine Hütte verrücken wollte sagen sie verschieben. Man musste sie demontieren, die Elemente mit Ross und Wagen oder auf den Schultern transportieren und sie wieder am neuen Weideort oder an einem neuen Stafel wieder zusammenbauen. In Trin verrückte man die Hütten in Bargis und auf der Alp Mora (Unter- und Obersäss). Diese Hütten waren mit eingeschnittenen Balken so konstruiert, dass man sie leicht auseinandernehmen und in einem anderen Stafel wieder zusammenbauen konnte. Eine dieser Hütten ist auf der Alp Mora noch erhalten und dient heute als Remise. Im Jahre 1944 ist die Hütte im Culm der Alp Mora neu erbaut worden, nachdem die alte mobile Holzhütte fast zerfallen war.

Das Nutzholz für das Käsen in den Hütten wurde in den umliegenden Wäldern geschlagen, mitunter eine intensive Arbeit für die Zusennen mit Ross und Wagen. – Ein besonderes Ereignis einer anderen Art ist mir in guter Erinnerung geblieben: Während des zweiten Weltkrieges war das Holz Mangelware. Da begannen die Trinser Männer die Legföhren in Castruns (Wald und Schafweide) zu roden. Aus diesem Holz stellten sie auf dem Platz Kohle her. Das dauerte nicht lange, weil eines Tages fing das Holz Feuer und die Trinser Feuerwehr musste sich auf die Alp begeben um das Feuer zu löschen. Von da an hörte man auf die Kohle auf dem Platz herzustellen. Man transportierte die Blöcke der Legföhren mit einem Stahlseil bis nach Raschlaus. Das gebündelte Holz wurde an einem Holzhaken befestigt und dieses flog förmlich hinab bis zu einem Holzbock, wo es abgebremst wurde und auf dem Platz herumflog. Von Raschlaus wurde das Holz mit einem Traktor mit Holzvergaser nach Mulin gefahren, wo es dann in Parlatsch neben der Strasse zu Kohle gebrannt wurde. Diesen Transport zu beobachten war für uns Buben eine interessante Sache. – Ein paar Jahre später, so in den 50er Jahre, hatte ein Akkordant, mit der Erlaubnis des Gemeindevorstandes, einen Teil dieses Rodens der Legföhren in Castruns übernommen. Kaum hatte er mit den Arbeiten begonnen, klagte der Verkehrsverein Flims beim Kanton, welche sofort verbot Holz an diesem Ort zu fällen.

 

 

Erinnerungen an den Alpaufzug und die Zeit als Hirtenknabe

Ich erinnere mich noch gut an den Tag des Alpaufzugs, als ich ein Knabe war (1944). Die Alpgenossen kamen mit ihrer Herde an, einer etwas früher, der andere etwas später. Die Bauern des Senntums Raschaglius begaben sich an den linken Wegrand des Bargisbodens, die von Surcruns auf der rechten Seite. Dann widmeten sie sich dem Essen und Trinken und dem Ausruhen nach der strengen Reise. Nachher machten die Alpmeister den Appell des geladenen Viehs und teilten den verschiedenen Gruppen ihre Arbeiten zu. Das waren Arbeiten, die am Tag der Alpladung gemacht werden mussten. Die meisten mussten im Wald von Prau Parli Holz fällen und es für den Sommer bereitstellen, alles Handarbeit. Die anderen mussten am Bach von Lavadignas mit Jungholz Zäune erstellen. Obwohl man sich Mühe gab, die Abgründe am diesem Bach zu sichern, hat dieser doch so manchem Kalb den Tod gebracht. Der Hang war unheimlich steil und das Gras ausserordentlich schmackhaft. Das lockte die Kälber an den äussersten Rand und mit Kehren stürzten sie zu Tode. Von den 50er Jahren, als man elektrische Zäune mit Draht errichtete, gingen die Verluste markant zurück. Heutzutage wird dieses System mit grossem Erfolg auf allen Alpen praktiziert.

Am Tag der Alpladung in Bargis, waren die Bauern der beiden Senntümer wie auf einem Pulverfass. Es brauchte dann nicht viel, kleine Meinungsverschiedenheiten, und sie sprachen immer lauter miteinander. Es herrschte eine gewisse Nervosität. Das kam daher, dass es viel Vieh auf dem Bargisboden hatte (ca. 240 Stück); dann war da noch das Melken, das den meisten aufstiess. Am Abend wurde kontrolliert, wie der Melker melkte. Jeder Bauer musste während des Melkens seine Kühe halten. Die Melker wurden anlässlich der „Senntumsversammlung“ per Los bereits vor der Alpladung zugeteilt. Die ersten Abende war es nicht immer leicht im Stafel zu melken, vor allem wenn es sehr warm war. Besser ging es am Morgen; dann hatte es keine Fliegen.

Während schlechtem Wetter oder nach einer längeren Regenperiode versanken die Melker fast im Morast und brachten ihre Melkstühle fast nicht aus der Erde. Im Jahre 1970 hatte es Unmengen Schnee gegeben und man konnte Bargis erst am 30. Juni laden. Surcruns und Raschaglius waren noch bis in den Juli mit Schnee bedeckt. – Mit der Dauer des Sommers war das Alppersonal mit der täglichen Arbeit vertraut und die Arbeit wurde immer leichter. Das Personal konnte sich je länger je mehr des Sommers erfreuen. Das Alppersonal setzte sich folgendermassen zusammen: Auf jeder der vier Alpen benötigte man fünf Personen, namentlich den Senn, den Zusenn (meist ein Bursche von 14 bis 16 Jahren), den Holzknecht, den Hirten und den Hirtenknaben. Dieses letzte Amt wurde einem acht- oder neunjährigen Knaben aufwärts anvertraut und war eigentlich die strengste Arbeit. Der Hirtenknabe musste mit den andern um halb vier aufstehen und dann musste er die Kühe einsammeln (im Dunkeln). Bei schönem Wetter ging das noch. Bei schlechtem Wetter oder bei Nebel war es für einen so kleinen Buben nicht leicht. Es begann damit, dass er sich die nassen Schuhe vom Vorabend anziehen musste. Das war oft eine Qual. Damals gab es noch keine Gummistiefel. Nach dem Einsammeln musste der Hirtenknabe die Kühe hüten, dass diese im Stafel blieben, dann schnell das Morgenessen einnehmen und schliesslich helfen die Kühe auf die Weide zu treiben. Nach getaner Arbeit musste er zurückkehren, bei den Kälbern die Kontrolle durchführen und diese zusammentreiben. Oft musste er sie lange suchen gehen. Am Abend ging es dann weiter. Die Kühe im Stafel hüten, die Herde auf die Weide bringen und frische Weide dazugeben (Abendessen) und die Kühe hüten, bis es eindunkelte. Der Hirtenknabe verspürte nichts vom idyllischen und romantischen Hirtenleben, der immer wieder damals in der Alpenpoesie gehuldigt wurde!

 

 

Änderungen im Jahre 1953, Maul- und Klauenseuche 1957 und Waldbrand 1961

An der Gemeindeversammlung vom 8. November 1953 waren einmal, nach langen Debatten und Diskussionen, „die Alpen“ traktandiert. Eine Idee des Experten für Alpwirtschaft Christian Walkenmeister vom Plantahof war, diskutiert während einem Augenschein, sich auf die Kuhalpen Alp Mora und Lavadignas zu konzentrieren. So sollten dort seiner Meinung nach neue Gebäude errichtet werden. Diese Idee wurde jedoch nicht weiterverfolgt. Mit einem grossen Mehr wurde folgende Änderung entschieden: Die Alp Mora sollte nicht mehr als Kuhalp genutzt werden, sondern soll sie mit 95 Rindern und ca. 50 Kälbern bestossen werden. Weiter seien auf den Alpen Surcruns, Raschaglius und Lavadignas die Bestände an Kühen auf 65 Stück erhöht und die galten Tiere (Rinder und Kälber) auf jeweils ca. 20, resp. 30 gekürzt werden.

Die Alp Mora war bereits einmal eine Rinderalp gewesen, namentlich von 1880 bis 1883. Obwohl die Praxis sich nicht bewährt hatte, kam man 1953 darauf zurück. Der Grund dafür war wahrscheinlich der Wassermangel auf der Alp Mora. Neben den Rindern bestiessen die Trinser Bauern 1953 noch 50-60 Kälber. Ab 1958 vermietete man die Alp Mora den Bauern von Grünigen und Umgebung, welche die Alp mit ca. 300 Rindern, Mesen und Kälbern bestiessen.

Eine grosse Überraschung gab es gegen Ende August 1957. Auf der Flimser Alp Cassons war die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Damals kamen viele Touristen über die Fuorcla Raschaglius nach Bargis. Die kantonalen Behörden reagierten sofort und sperrten die Alpen für den Personenverkehr. Weiter wurde eine Impfung aller Tiere auf den Trinser und Flimser Alpen angeordnet, des Weiteren auch die von Laax, Schluein und Sagogn. Jedes Trinser Senntum schickte vier Bauern auf die Alp, die zusammen mit dem Tierarzt das Vieh impfte. ES war keine leichte Arbeit an die Tiere ranzukommen: jedes Tier musste gefangen und gehalten werden um es impfen zu können. Die Arbeit war umso mehr anstrengend, weil es ein schreckliches Wetter war, mit Regen und Schnee. So gelang es dennoch zu verhindern, dass sich die Krankheit ausbreitete und zum Glück erreichte sie die Trinser Alpen nicht.

 

Im September 1961 verursachte das Militär einen riesigen Waldbrand, indem es von Raschlaus (Bargis) nach Muletg da Castruns schoss. Die Leuchtspurmunition setzte den Legföhrenwald in Flammen, welcher gut brannte, weil zu dieser Zeit Trockenheit herrschte und der Mureggbach schon lange kein Wasser mehr führte. Ohne Wasser zu löschen war ein Ding der Unmöglichkeit. Dieser Brand dauerte einige Tage. Glücklicherweise hatte es keinen Westwind. So konnte man das Feuer stoppen, bevor es auf den Tschenghel übergriff. Auf der linken Seite war der Wald bis zum Tschep abgebrannt. Es dauerte mehrere Jahre bis man sich mit dem Militär einigen konnte. Bund und Kanton verlangten, dass die ganze Brandfläche wieder aufgeforstet werden sollte. Die Kosten wären immens gross und der Erfolg, dass der Wald sich regeneriert hätte, wäre sehr klein gewesen. Die Legföhre braucht in dieser Höhe Jahrzehnte und Jahrhunderte, bis sie nachgewachsen ist. Man einigte sich, zusammen mit dem Kreisförster, mit einem Teil des Geldes einen Fahrweg im Bargisboden und in der Grava eine grosse Schneeflucht zu errichten. Dazu gehörte ein stabiler Zaun und eine lange, überdachte Futterkrippe, um das Vieh füttern zu können. Das Heu dafür wurde von Trin hinaufgefahren. Das ist eine grosse Arbeitserleichterung, weil man mit dem Vieh nicht die Alp verlassen muss

 

Neue Projekte 1957-1971

Die neue Ordnung von 1953 befriedigte allerdings nicht. Man verfügte nicht über neue Alpställe und an Schneetagen musste man das Vieh nach Hause treiben. Das Haupttraktandum an der Gemeindeversammlung vom 24. August 1957 war „Orientierung betreffend Änderungen der Trinser Alpen“. Als Alpexperten waren Dr. Gion CIau Vincenz (Cuera) und Hasper Pieder Casutt (Falera) anwesend. Diese Herren machten den Vorschlag die Alpen Alp Mora und Alp Lavadignas als Kuhalpen zu bestimmen und aus den Alpen Surcruns und Raschaglius solche für Rinder und Kälber zu machen. Die Alp Mora solle ca. 100 Kühe und 50 bis 70 Kälber vertragen und Lavadignas ca. 100 Kühe. Auf beiden Alpen sollten neue Ställe und Hütten errichtet werden. Die Milch sollte in zwei Milchleitungen nach Trin in die Sennerei geführt werden. Diese Vorschläge wurden in einer Abstimmung mit 54 gegen 1 Stimme genehmigt. Weiter wurde von dieser Versammlung beschlossen, für 10‘000 Franken ein Vorprojekt für das ganze Alpgebiet machen zu lassen, also die Vorschläge der Experten ausweiten. Man war grösstenteils der Auffassung, dass ein Projekt mit mehreren Millionen Franken auch mehr Subventionen erhalten würde. Doch seit dieser Generalversammlung floss noch viel Wasser die Val Pardi hinunter. Es brauchte viele Sitzungen und Kommissionen bis das Projekt reif war. Wahrscheinlich war es auch gut so, denn nach einer langen Phase sah man, dass eine Kuhalp reichte, namentlich für die Alp Mora. Das Churer Ingenieurbüro Bruni wurde beauftragt, ein Projekt auszuarbeiten. Dieser konzipierte einen neuen Stall mit Einrichtungen für 130 Kühen, eine neue Hütte und einen grossen modernen Güllenkasten. Im Culm als zweiter Stafel waren eine Hütte und ein Melkstand vorgesehen. Ein grosses Projekt war die Wasserversorgung, welches das Fassen von 15 Quellen in zwei Reservoirs umfasste. Diese sollten total 170 m3 Wasser fassen. Die Länge der Wasserleitung betrug 6.9 km. Weiter musste eine Milchleitung („Pipeline“) von 5,3 km „Simolenrohren“ von der Alp Mora bis nach Trin projektiert werden. Die Kosten durften die Grenze von 9‘000 Franken pro Kuhplatz nicht überschreiten. So wurde die Summe von 1.2 Millionen Franken für das ganze Projekt festgelegt.

 

Moderne Alp Mora 1971 und neue Ordnungen

Nachdem die Gemeinde das oben erwähnte Projekt genehmigt hatte, sagten der Kanton und der Bund auch die nötigen Subventionen zu. So konnte mit der Ausführung dieses Werks begonnen werden. In den Sommermonaten von 1969 und 1970 wurden die Gebäulichkeiten fertiggestellt. Die Einweihungsfeier auf der Alp wurde zu einem unvergesslichen Ereignis für alle Trinser Einwohner und für die zahlreichen Gäste von nah und fern. Mit grosser Freude wurde die Alp Mora 1971 mit ca. 115 Kühe bestossen. Aber noch am gleichen Tag gab es Schnee und man musste die Kühe während zwei Tagen im Stall füttern. Während man früher in solchen Fällen die Alp hätte entladen müssen, merkte man jetzt direkt die Vorteile der neuen Einrichtung. Man konnte das Vieh einstallen.

Ein anderer Vorteil war die Installation des elektrischen Stroms und des Telefons. Die Elektrizität lieferte ein Dieselgenerator. Ab dem Culm wurde die Telefonleitung neben der Milchleitung eingelegt. Das lediglich in die Erde gelegte Kabel bewährte sich nicht so wirklich. Bei jedem Blitz und Donner in der Nähe war die Leitung unterbrochen und eine Mannschaft der Telefongesellschaft musste den Schaden suchen und reparieren. Zum Glück ging das auf Kosten der PTT. Nach drei Jahren öffnete man nochmals den Graben und legte das Kabel in Rohre. Seit dann hatte man Ruhe und keine Störungen mehr.

1976 wurde beschlossen die Schafalp Alp Mora mit der Alp Culm da Sterls zu tauschen; und das mit allen Weiderechten; auch bei Schnee. Die Weiderechte im Gebiet oberhalb von Bargis (Culm da Sterls, Surcruns und Raschaglius) waren seit je her folgendermassen geregelt: Konnte man das Vieh bei Schnee in den oberen Stafel nicht mehr weiden lassen und die Stafel verlassen musste, so:

a)   mussten die Mesen vom Culm als erstes via Surcruns, die Crauns hinunter in die Rusna nach Plaun da Vadres getrieben werden,

b)   das Vieh von Raschaglius wurde nach Vadres ausserhalb der Camutschera neben der Hütte getrieben und

c)   das Vieh von Surcruns musste sich hinunter zum Muletg sut Rusna einwärts der Camutschera begeben. – Das Vieh von Lavadignas musste hinunter in den Wald und wenn es nicht reichte, hatte dieses Senntum das Recht das Vieh nach Raschlaus zu treiben. Ein alter Senn von Trin erzählte, dass sie 1934 im Ganzen 13 Mal mit der ganzen Käsereiausrüstung von Surcruns in die Rusna mussten!

 

Nach dem Tausch betreffend Schafe von der Alp Mora nach Culm da Sterls wurden die Mesen auf Lavadignas gealpt; dazu kamen noch ein paar Kälber, im Ganzen ca. 150 bis 160 Stück. Die Vorfahren hätten sich im Grab umgedreht, wenn sie von dieser Änderung erfahren hätten: Für sie galt die Alp Lavadignas als beste Kuhalp. Doch, die Zeit bleibt nicht stehen und ich bin überzeugt, dass es, gemäss dem heutigen Rhythmus noch radikale Änderungen auf dem Agrarsektor geben wird, und nicht nur auf den Alpen.

Noch eine Neuerung datiert von 1971. Vor dieser Zeit wurden die Alpmeister jedes Jahr gewählt, obwohl dieses Amt ganz und gar nicht begehrt war. Jedes Senntum hatte einen Alpmeister; dieses Amt übernahm man im Turnus. Die Wahl fiel jeweils auf drei Bauern und einer von Ihnen musste das Amt übernehmen. Wenn es einer nicht freiwillig machte, entschied man es per Los. – Ab 1971 gab es einen neuen Modus, nach welchem die Alpmeister für drei Jahre gewählt wurden. Für den Alpbetrieb ist dies viel besser; so gab es Alpmeister, die 15 bis 20 Jahre im Amt waren, in Einzelfällen sogar 30 Jahre. – Ach betreffend Vieheinteilung wechselte man die Praxis. Früher machte dies der Gemeindevorstand mit den Alpmeistern. Das gab lange Diskussionen und Sitzungen, die manchmal bis nach Mitternacht dauerten. Die Schwierigkeit war, dass es schwierig war, das Vieh gleichmässig auf die Alpen zu verteilen, damit niemand den Kürzeren zog. Wegen einem Ochsen oder einem Kalb konnte man eine ganze Weile diskutieren. Von 1971 an wurde das viele einfacher. Der Alpfachchef nimmt selber den Viehbestand auf und verteilt es auf die Alpen. – Die etwas komplizierten Regeln von früher kommen daher, dass es früher viel mehr Bauern gab als heute. Fast jede Familie hatte einen Bauernbetrieb. Gemäss altem Brauch wurde die „Alpversammlung“ um 19.30 Uhr mit der kleinen Kirchenglocke einberufen um den Tag der Alpladung zu bestimmen. Die Glocke läutete zwei Mal und einem Intervall von ca. fünf Minuten. Wie ältere Leute erzählen, bedeutete das erste Läuten für die Bauern sich zu waschen und sich schön anziehen, das zweite Läuten sich auf den Weg zu machen. Bis 1970 wurde die „Alpversammlung“ oder „Senntumsversammlung“ vom Gemeindepräsidenten, nach diesem Termin machte dies der Alpfachchef. Bevor die Alpversammlung stattfand, musste und muss noch heute eine Alpkommission auf die Alpen und kontrollieren, wie es mit dem Gras steht. Ihr Rapport, den sie an der Alpversammlung abgeben, ist entscheidend um den Tag der Alpladung festzulegen. Bezüglich der Alprechnung (Alprechung oder –zins) gilt noch die gleiche Ordnung wie früher. Falls jemand auf der Alp ein Tier verliert oder es früher von der Alp genommen werden muss, gilt folgendes Recht: Für die ersten drei Wochen muss der Besitzer nichts bezahlen, ab der dritten bis zur achten Woche zahlt er die Hälfte und nach acht Wochen muss er die ganze Alprechnung bezahlen.

Übers Ganze gesehen darf man heute mit den Lösungen und Neuerungen sehr zufrieden sein, die in den Jahren nach 1971 gemacht wurden. Es ist zu wünschen, dass in Zukunft, in einer Zeit mit viel weniger Bauern, die Trinser Alpen erhalten und gepflegt werden. Es ist sehr wohl eine Aufgabe der ganzen Bevölkerung die Alpen zu erhalten und sie als wichtiges, kulturelles Erbe unseren Nachkommen zu überlassen.