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Hochtal Bargis Jahr unbekanntHochtal Bargis Jahr unbekannt

Kühe in VadresKühe in Vadres

Andere Sagen aus TRIN

aus „Mythologische Landeskunde von Graubünden“ von Amold Büchli

 

erzählt von Nina Riesch

Eine unbegreifliche Verführung

Mî Großvatter Riesch ischt uf em Meiesess Pintrun gsi und eerscht am Oobed spoot heikhoo. Und wo-n-er doo z’innerscht im Dorf gege Digg khoo ischt, het er müesse-n-es Gessli uuf goh. Er het z'oberscht im Dorf gwont. Und wo-n-er das Gessli uuf ischt, het er immer d Schelle vo sîm Khelbli ghöört, wo doch deheim im Stall gsi ischt. Er isch denn uf ds Feld uuf, er ischt eben-n-immer dem Toon noo ggange, er het welle ds Khelbli hole uf dr Weid. Aber er het nid khönne begrife, dass sis Khelbli us em Stall sei, wil er niä an Hexerei gglaubt het. Dr Stall isch nebe-n-em Huus z’oberscht im Dorf gsi. Immer ischt er dem Toon noo ggange, oni dass er het welle. Immer ischt er ggloffe und ggloffe. Zletscht het er es Zündhölzli äzünt um zwei Uhr am Morged, und bim Schîn vo dem Zündholz het er gseh, dass er z'usserscht uf dem Stei ob Si Surplonggas gsi ischt. Und wenn er z'Nacht witer weer, weer er abegheit in ds Tobel Val Gion Patt. Das ischt es Bachtobel, wo im Summer fascht immer troche-n-ischt. Si Surplonggas heisst dia Haalde, wo dr Stei druus use luegt. Uf dem Stei isch dr Großvatter gstande.

 

Die Hexe erwischt

 

En Frau doo in Trins het meh khönne als anderi und ischt meh und meh als en Hex aaggluegt worde. Si ischt vilmool mit ema Büürli zemekhoo am Brunne bim Gaschthuus Ringel. Und das Büürli het denn es schöons Khelbli gha, und dia Frau het 's immer gstrîchlet und gseit: «Das ischt es schöons Khelbli! Das ischt es schöons Khelbli!» Und wenn's denn im Stall vo dem Büürli gsi ischt, het's aagfange so uusschlaage mit da hinderä Beinä, dass mä nid sicher gsi ischt nebe-n-em. Und denn het er emool d Mischtfurgge ggnoo und si dem Khelbli so aneghebt und het's in dia Furgge lo ineschloo mit da hinderä Beinä. Und am andere Taag hei's gheiße: dia Frau hei sich selber mit ere Mischtfurgge in d Bei gstoche. Wenigschtens weiß ich, dass si acht Taag im Bett gsi ischt.

 

Das verhexte Kind

 

Es Khind von ere Tante, viär-, füüfjehrig, vo dem het mä gseit, es sig verhext. Es isch zum Bispil uf eimool z'oberscht uf em Khriäsibaum gsi. Das Huus stoht an ere Haalde, und de Khriäsibaum ischt im Garte underem Huus und sî Gipfel glîch hoch wiä d Fenschter vo dr Khammre. Und uf eimool isch das Khind dert obe gsi, oni Leitere, unbegrîfli.

D Mame vom Khind, mini Tante, het's dert obe gseh, het sich aber nid getraut, es z'rugg z'rüefe, dass es joo nid abegheji. Und denn isch si in d Nebekhammre ggange und het in da Nussä gwüelt, dass ds Khind es ghöört het. Und denn het si ggruefe: «Marîa, khumm abe!» Und das Khind ischt hinderschi wiä-n-e Khatz abekhoo, an da Zweigä het sich's ghebt, und ischt in dr Stube gsi, vor ass d Mueter us dr Nebekhammre in d Stube khoo ischt. Und es het doch no um ds Huus ume und hinne-n-ine müesse.

Und denn het es di Gwonheit gha, wiä-n-es Hüendli uf di clavellas da lenn (1)an dr Wand z'hogge. Mä het gseit, das Khind sig so, sitdem e Frau imm e Prîse ggee het zum Schnupfe, und wenn das Meitli dia Frau gseh het, het's immer ggruefe: “L'onda Beia (2) da fiug!” — füürigi Tante Baabe (Barbara). D Mueter vo dem Khind het ghöört, dar Preea» (Priester) vo Bonaduz khönn in settigä Fellä helfe. Und si ischt zue-n-em ggange mit dem Khind, und er het ere bifole, Epfelstüggli z'khoche für das Meitli, nid emool dr Löffel abschlegge het si törfe. Das het si e bestimmti Zît lang müesse mache, vilicht drei Wuchä, und denn isch es besser worde mit dem Khind. Si hetti wider sölle goh mit dem Khind nach der Zît. Aber si isch nid ggange, und denn isch 's wider schlimmer worde, und si isch denn wider ggange, aber dr Preea het gseit: worum si nid früener khoo sei, doo, wo-n-er ire gseit het. Iez sei's z'spoot.

 

(1) clavellas: Die Holzpflöcke an der Wand zum Aufhängen von Kleidungsstücken und Hüten. Auch die über die Kreuzung der hölzernen Stangen über dem Stubenofen hervorragenden Enden derselben werden so genannt.

(2) Beia: Kindersprache

Dieses Hexenstück hatte die Erzählerin im Familienkreis verschwiegen. Fürchtete sie, ausgelacht zu werden? Ebenso hatte sie die folgende Geschichte (von Hexenmeisterkunst) ihren Angehörigen vorenthalten. Ich wollte sie als eine besonders eigenartige, altes Gedankengut führende Familientradition in der Mundart des Hauses vernehmen und aufzeichnen. Hans Riesch hat sie dann deutsch erzählt, ohne zu wissen, daß ich sie schon kannte. Ich habe sie im Oktober I960 der Familie ihres Neffen Albert Riesch mitgeteilt und dabei mit Genugtuung erfahren, daß Trins an seinem altromanischen Idiom bewußt festhält und sich vom gedruckten Romanisch nicht beirren und beeinflussen läßt, so wie es ganz für sich steht zwischen Weltkurort und Walserdorf.

 

Hans Riesch erzählte: 

Doo ischt e Trinser vo Tamins her ufe khoo. Bevor er zum Burghügel khoo ischt, het er uf Lurez abe gsehe. Das weer in dr Nacht gsi. Giu Lurez isch das Feld under dr Landsträäss gege Tamins vom Burghügel aa. Do gsiat er en Maa, wo uf Lurez umespringt. Er het e Marggstei in da Hendä gha und immer ggrüäft: «Nua deu metter?» (Wo soll i [ne] hitua?) Und de Trinser, de Maa, wo vo Tamins khoo ischt, rüaft: «Mett'el, nu' ca'l é stau!» (Setz ne, wo-n-er gstande-n-ischt!) Er het en Prozess gha mit em Anstösser wege da Marggsteina uf dem Feld Lurez. Dr ander het em si versetzt gha. Dee, wo si versetzt het, het dr Prozess gwunne. Speeter isch denn dr Anstösser, wo gwunnen het, gstorbe. Lang noher isch denn dee, wo im Recht gsi weer, emaal bi Lurez verbî khoo und het dr ander gsehe dert ume-springe mit da Marggsteina. So lang as dise gglebt het, het en ds Gwüsse nid plaaget. Aber nach em Tod het er schînt’s  müasse khoo uf de Platz, wo-n-er unrecht tua het.

Der Erzähler, der zwar dem Walserdeutschen näher stand als die Schwester, sagte «gsehe» und «gseh».

 

En Puur vo Trins ischt in d Müli z'Hengert ggange (ius a mattons / mattongs) und ischt am halbi eins wider zrugg, use in ds Dorf. In Fup Porclis ischt denn no so-n-es Khrottemennli mit eme Zipfelkheppli, igna capetscha da chichli, seit ma in Trins, um inn umegsprunge. Er ischt en groosse, stargge Purscht gsi und het gseit: «Wart, du Khrottemennli - té ruschg - di will i uf d Sîte tua!» Er het’s welle pagge, aber er isch es nia z'pagge khoo. Und uf eimaal gsiät er, dass das Mennli nid uf em Bode staht, alls in dr Luft obe ume springt, und zletscht hetti dee ruschg baald inn uf d Site tua. Er hei Müa gha, hei z’khoo.

Immer diese unheimlichen Begegnungen auf dem späten Heimweg vom heimlichen Kiltgang !

Eine het ds Veh in da Meiesess gha, und denn ischt er afen-n-am Aabed zum Fuätere. Und wiä-n-er emaal ufa khunnt, as er dr Stall gsiät, steggt a Khua dr Khopf zum Güggli uus. La cucca, das isch ds Hööchscht vom Stall, 15 X 20 cm gross. Jetz het er khei Wort gseit, gabt uf de Heustall, nimmt en Heuschrooter, «igl cunti da fen (fegn)», seit mä bi üüs, khunnt abe und macht dr Khua mit em Schrootmesser es Khrüüz uf d Schnore. D Khua gaht zrugg, ine, und ma hei geer nüüt gsehe vo dem Khrüüz uf dr Naase. Dee het immer gseit:« Es git Hexä!» Und am andere Morged het's im Dorf gheisse, e Frau hei es Khrüüz in d Naase igschnitte gha.

 

Dää im Dorf ischt en Puur gsi mit füüf Khinder, viär Meitlä und en Buab. Jetz ischt er emoal in Stall und findet beidi Khüä in einer Khetti. Und er nid fuul, nimmt d Mischtgable und stoosst dere, wo nid an irem Platz gsi ischt, in Buuch, und sofort sind d Khüä los gsi vo dr Khetti. Denn khunnt es Khind go rüäfe: D Schweschter hei drei Löcher im Buuch. Und wiä dr Vatter vom Stall in d Stube khunnt, so gsiät er, dass er dm eigene Khind d Furgge in Buuch gstooße gha het. Das Meitli isch denn so tumm gsi und het jedem, wo’s het w-elle gseh, diä drei Löcher im Buuch zeigt.

Der Schluss ist sehr ungewöhnlich. Im Sinne der zahlreichen Varianten dieses Sagenmotivs müßte man folgern, daß das verletzte Kind die ungebärdige Kuh verhext habe. Es wird ja öfter erzählt, daß Kinder die Hexenkunst von Erwachsenen gelernt hätten. Hat unser Erzähler diese Folgerung nicht gezogen oder nur verschwiegen?

Ign da Digg ée stau ad ada si Mun — jaso, uf Tüütsch: Eine vo Digg ischt im Meiäsess gsi uf Mun. Es het ere Khua eppis gfehlt, und er het müässe-n-abe in ds Dorf.

Es ischt um Mitternacht gsi, und zwüsched zwoll und eins schloaft dr Herrgott, wiä s früar gseit hend, und mä kha denn tribe, was mä will. Und er ischt abe khoo uf Fussau, das ischt e groossi Ebeni zwüsched zwei Felsä, dm Crap Sogn Bargazi und dm Crap d'Ueera. Dert het er Partiä gsehe tanze, alli vom Dorf. Er het si alli khennt. Er ischt still gstande und het e Wîli zuaggluäget. Und denn khunnt eine vo denä daheer, e Verwandte vo-n-imm, und het gseit: «Varda tge ca té (ti) gis, schaglioc va i schliat cün té!» Er soll luäge, was er vo dem redi, sus geng’s imm schlecht. Er isch denn hei.

 

 

Elsa Riesch, geb. 1947, die älteste Haustochter, schilderte unter Mithilfe der Mutter am 20. August 1964 das Herbstfest der Trinser Jugend.

Gl’atun, igls davos da settember, l’antscheatta d’october, vivan igls buobs da Trign sco en parvis. Suentar scargâ dad alp van-i cun la staarlamenta a las vaccas ca van schetgas si Mun, Maliens a Purcs. Ti zapperlot tgé veta! Aschi vid las tres, las quater samettan-i sin vea si ad acla. Cura ch’els (h) an ragulau vi tut, maglian-i tschegna, a lu van-i a plaz tigls vaschings a cumarats. Per tard van-i a letg. Geea, legher va-i tiar en lur parvis Mun, Maliens a Purcs, gliez saiju sezza begn avunda. Igl dat èea anqual larma suentar igna sadada. Mo que é gleti anvlidau, cunzun lu, cu é va ancuntar igls nov d’october. Quella sera e pigis buobs da Trign igna sera apartia. Quella sera fan eis mantinadas. Tut igls buobs prendan qué gi cun els igna s-chella, né igls grons buobs (h)an digl tat igl plumpi gron. Mintgin ca vut vée la pli gronda. A lu las cigarettas ean beca d’anvlidâ, cunzun tigls lumpazis pli gronds. Mo qué é beca igl prencipal. Cu’gl é sera e ‘gl fa brign, igls muvels ean ragulai, samettan igls buobs sin vea a scadanond igls plumpis. Mintgaton aud’ign ong sco els giblan a sgaghialan. Giu Trign, si sur vischnonca vegn igl til pli gron; buobs pli pings a buobas ston fâ la cua. Anqualgaa po ign né l’auter beca suentar. Ordavon váan igls grons cun ign detg quet. Igl legher til va tras Trign, giu Visut, si Visura, da lu enagiu sur la véa nova da Muntegn enagiu, tres gadas anturn la fantonga da Digg, davos igl Crap da Bos a lu sin Fiena a Porclis. Qué scadegna ch’igl fa tut mal las ureglias. Sper mintga véa stat la gliud a varda tiar cun gron plaschée. Schaglioc é’gl beca igna feasta sco ign’autra. Sin Porclis váan igls buobs ign ord l’auter a casa. Igls murz grons váan ong enta Mulign cugl intent ch’els survegnaan anzatgé.

Im Herbst, Ende September, Anfang Oktober, leben die Buben von Trins wie im Himmel. Nach der Alpentladung geht man mit dem Galtvieh auf die Maiensässe Mun, Maliens und Purcs. Ei der Tausend, da herrscht reges Leben! So um die drei, vier machen sie sich auf den Weg nach dem Maiensäss. Wenn sie alles besorgt und aufgeräumt haben, nehmen sie das Abendbrot ein, und dann gehen sie zur Stubete bei Nachbarn und Kameraden. Erst spät gehn sie zu Bett. Ja, fröhlich geht es zu in ihrem Maiensässparadies, das weiss ich selber auch gut genug. Manchmal gibt es auch Tränen nach einem Streit. Aber das ist bald vergessen, besonders wenn es dann dem neunten Oktober entgegen geht.

Das ist für die Buben von Trins ein besondrer Abend. Da machen sie die Maiensässschelletä. Alle nehmen an diesem Tag eine Kuhglocke mit sich, die grösseren wohl auch die grosse Plumpe vom Großvater. Jeder will die grösste haben. Und dann sind die Zigaretten nicht zu vergessen, besonders bei den grösseren Schlingeln. Aber das ist nicht die Hauptsache. Wenn es Abend und dunkel wird und das Vieh besorgt ist, machen sich die Buben mit tönenden Glocken auf den Weg. Bisweilen hört man sie auch jauchzen und schreien. Drunten im Dorf Trins wird der Zug länger. Kleinere Buben und die Mädchen bilden den Schwanz. Manchmal kommt das eine und andre nicht mehr nach. Voraus gehen die grossen mit einem gehörigen Stolz. Der muntere Zug geht durch Trins, hinunter nach Visut, hinauf nach Visura und von dort auf der neuen Strasse von Muntegn, dreimal um den Brunnen von Digg, hinter dem Ochsenstein durch und dann nach Fiena und Porclis hinauf. Das läutet und lärmt, dass einem die Ohren weh tun. Überall am Weg stehen die Leute und schauen mit grosser Freude zu. Sonst wär's ja nicht ein so ungewöhnliches Fest. Die ganz («mords-») grossen Buben gehn noch nach Trinser Mühle in der Erwartung, dort etwas zu bekommen.

Igna ga vau udeu ca vidavon mavni cun s-chellas par scatschâ igls sperts.

Einmal habe ich gehört, dass man mit Kuhglocken schellen ging, um die Geister zu vertreiben.

Albert Riesch konnte aber an einen früheren Brauch dieses Trinser Herbstfestes erinnern:

Igl tat (h) a raquintau: Pli bauld fagevan-i las mantinadas si Maliens. Lu é ong oz ign bot c'(h)a num «igl bot da Mantinadas». Lusi fagevan-i ign feug, ad igls buobs saglivan antûrn qué feug cun lur s-chellas a plumpis. Pér pli tard (h)an-i fatg igl til festiv geu tras vischnonca. Qué sault anturn igl feug, quella feasta, (h)an-i adigna fatg igls nov d’october, la sera avon ch'i veanan geu da las aclas.

 

Der Grossvater hat erzählt: Früher machte man das Fest, die Herbschtschelletä, auf Maliens. Dort heisst noch heute eine Anhöhe «der Hügel der Mantinadas». Dort oben machten sie ein Feuer, und die Buben sprangen um dieses Feuer mit ihren Schellen und Plumpen. Erst später hat man den Festzug hinunter ins Dorf gemacht. Dieser Tanz um das Feuer, dieses Fest, hat man immer am neunten Oktober gemacht, am Abend, bevor man von den Maiensässen herunter kommt.

Dieses Springen und Tanzen um ein Feuer auf einem Hügel lässt auf den ursprünglichen Sinn der alten Mantinadas schliessen, und diesen Sinn deutet der scheinbar nicht zu Elsa Rieschs Schilderung des Festes gehörende Schlusssatz an, den die Eltern und die Tante nicht gesagt haben wollten: Wenn die Bergweiden von den Herden und Hirten verlassen sind, ergreifen die bösen (Winter- und Sturm-) Geister Besitz von den aclas. Diese spérts der Finsternis galt es zu bannen mit einem lärmenden Tanz um ein grosses Feuer, das letzte der Weidezeit, das man da oben entzündet. Vom Crap uèera, dem Kriegsstein, weiss der -Hausvater nur noch den Namen. Aber von der Franzosenzeit hat er seinen Vater erzählen hören:

 

Meu bab veva raquintau da la uèera digls Franzos: ch’els vevan serrau en ign Franzos en casa da Johànn Coray Visura. Aber ign burgheis ch’era staus en Frontscha (h)a saveu igl lungatg franzos, a quel (h)a tschantschau cugls Franzos. Ad igl schuldau (h) an-i schau liber, a parqué ean eis i anavon senza dâ feug a la vischnonca.

Mein Vater hatte von dem Franzosenkrieg erzählt: dass sie einen Franzosen im Hause von Johann Coray eingesperrt hatten. Aber ein Bürger, der in Frankreich gewesen war, konnte Französisch, und der hat mit den Franzosen gesprochen. Und den Soldaten haben sie freigelassen, und darum sind sie weiter gegangen, ohne das Dorf niederzubrennen.

 

Jeremias Caprez “Gieri Signun” (Senn” genannt geboren 1883 erzählte im Februar 1939 in Trins-Digg.

 

Die Füchse in Isla

Ein Trinser war schon in jungen Jahren in die Fremde gegangen. Nach Jahren kam er wieder heim, und da er ein eifriger Jäger gewesen war, packte ihn daheim sogleich die Jagdlust von neuem. Am Rhî dunne ischt en Bode gsi, wo jetzt dr Bahnhof ischt, d «lsla». Dort legte er einen Futterplatz an und warf Lockspeise aus, und auf einer Eiche machte er sich einen Sitz zum Fuchspassen.

Gegen Mitternacht ist er hinunter gegangen und auf die Eiche gestiegen. Lange ist nichts gekommen, und er wollte schon heimgehen. Da ist ein Fuchs aus den Stuuden am Rhein gekommen und dann gleich noch einer, und uf einischt sei dr Platz ganz voll Fügs gsi. Einer hat dem andern die Lockspeise geboten: «Pren ti qué!» (Nimm du das!) Dazu hat er eine Stimme gehört, die zu ihm hinauf rief: «Saghitta bec !» (Schiess nid !) Er hat aber doch geschossen. Da hat es einen furchtbaren Rauch und Gestank gemacht. Nichts als Rauch und Gestank! Und er ist von der Eiche heruntergepurzelt, hat aber nichts gesehen. Halbtot ist er ins Dorf hinaufgekommen. Aber das war das letztemal, dass er auf die Jagd gegangen ist.

Hexentänze

Duf (David) Reiner, Schmied von Beruf, ging jedes Jahr auf die Jagd. Einmal ist er in der Nacht gegen Barghis gegangen und in den Fidazer Wald gekommen. Dort hörte er mitten drin lärmen und stampfen. Er isch still gstande, und uf eimool seie Lüt an ihm vorbeiggritte, vil Lüt, unter der Burgruine Belmont entlang. Dia seie dert usekhoo. Duf ist dann weiter hinauf gegangen, gegen die Ruine hinauf, und da kam der Zug Reiter wieder daher, in einem grossen Bogen um die Ruine herum. Dann machten sie einen Tanz auf dem Plong dis Turbis, das ist ein Wiesenboden in der Nähe der Ruine. Und da hat eine Stimme gerufen: «Duf, dai adâtg tge ca té tschontschas!» (Pass auf, was du redest!) Gesehen hat er niemand, nur die bekannte Stimme gehört. Er isch denn beim, aber uf di Sîte vo Belmont isch er niä meh go jaage, uf di ander Sîte wol. Dr Val Bergla het mä immer gseit « Val da strias» (Hexentobel). Am andern Morgen war Duf von der ausgestandenen Angst ganz weiss.

Meine Mutter hat von ihm viel erzählt, sie hat den Jäger gut gekannt. Nach einiger Zeit ist der Mann krank geworden, und viele aus dem Dorf haben ihn in seiner Krankheit besucht. Wo teil Lüt khoo sind, het er si nid âggluäget und sich im Bett gege d Wand khehrt. Er hat behauptet, dia seie dert bi dem Heer gsi, bi denä Rîterä im Fidazer Waald.

Diese Sage erinnert an die erste bei Dietrich Jecklin, nach der ein Zug von wilden Reitern und Reiterinnen bei der Obersaxer Heidenburg über einen Knaben hinweggerast sei. Aber der Trinser Senn Caprez deutet die wilde Jagd des Reiterzuges um die Burgruine nicht als “wütendes Heer” wie der Kantonsschüler von 1874 C. (?) Decurtins, sondern als einen Hexentanz.

Das zweite Gesicht

Der Nachtwächter von Trins hatte das zweite Gesicht. Zweimal ist es geschehen, dass er en Lîchäzug gsehe het us eme Huus khoo, in Digg und uf Trins, en Lîchäzug mit dr Bahre. Und er konnte sagen: In dem und dem Haus werde jemand sterben. Und so ist es auch geschehen.